Wo sich Meer und Gebirge begegnen


"Weg nach Norden" heißt Norwegen wortwörtlich, und wer sich die Form auf der Landkarte anschaut, weiß warum. Es ist das langgestreckteste Land Europas und erstreckt sich über fast 14 Breitengrade, einem Flug von Frankfurt nach Südspanien entsprechend.

Die Küstenlänge beträgt, die Inseln nicht mitgerechnet, mit über 21.000 km etwa die Hälfte des Erdumfangs! Für den Entwurf der herrlich krickeligen Küste hatte einst Slartibartfaß einen Preis gewonnen... (ähm, kleiner Scherz aus "Per Anhalter durch die Galaxis")

Die extreme Zergliederung der Küste hängt mit einer weiteren norwegischen Spezialistät zusammen: den Fjorden. In den schmalen Meeresarmen, die mit ihren oftmals nahezu senkrechten Felswänden bis zu 200 km weit ins Festland hineinreichen, begegnen sich zwei Lebens- und Wirtschaftsräume, die unterschiedlicher nicht sein könnten. In den Hafenstädten an den Fjorden landen die Fischer ihre Fänge an, werden Ozeanschiffe und Ölförderplattformen gebaut, auf den Almen, wenige hundert Höhenmeter darüber, weiden im Sommer die kleinen, braunen Gebirsziegen, denen die norwegische Küche den köstlichen Ziegenkäse mit seinem charakteristischen Karamelgeschmack zu verdanken hat.

Wenn nicht die Förderung der kräftig sprudelnden Erdöl- und Ergasvorkommen unter dem Boden der Nordsee den Norwegern zu einem Platz in der vordersten Rängen der reichsten Nationen der Welt, gemessen am Pro-Kopf-Einkommen, verhelfen würde, dann wäre Norwegen heute noch immer das, was es bis vor wenigen Jahrzehnten war: eines der schönsten, aber auch eines der ärmsten Länder Europas.

Mehr als die Hälfte des Landes liegt über einer Höhe von 500 m, ein Viertel sogar über 1000 m! Ebenen sind so selten, daß sie in den Ortsnamen eigens hervorgehoben werden, wie z.B. Oslo, was übersetzt "Ebene der Götter" bedeutet. Ansonsten ist das Land fast überall solcherart geformt, daß man nur selten einen Ball auf den Boden legen kann, ohne das wegrollt. :-)

Wasser und Fels, das sind die beiden Elemente, die das Land prägen. Neben dem unglaublichen Küstenverlauf tauchen vor der Küste zudem noch unzählige Felseninseln auf und wirken wie Brücken vom Land zum Ozean. Nicht einmal Griechenland ist so eng mit dem Meer verzahnt wie Norwegen. Andererseits führt die stark gegliederte Küste, zusammen mit dem ausgeprägten Gebirgscharakter des Landesinneren, das bis zu 2500 m ansteigt, dazu, daß die landwirtschaftliche Nutzfläche nur ganze 3% ausmacht!
Die Gebirgszüge des Landes wirken wie Regenfänger, so daß hier die höchsten Niederschläge auf dem europäischen Festland niedergehen, zwischen Oktober und April in den höheren Lagen in Form von Schnee, der teils im Sommer nicht vollständig abschmilzt. Über 1000 m finden sich viele Firnschnee- und Eisfelder, auch Europas flächengrößter Plateaugletscher, der Jestedalsbreen, findet sich hier.

Gute Böden kommen kaum vor, der größte Teil der Oberfläche Norwegens ist ziemlich oder völlig kahl.

Der Atlantikstrom und die Westwinde bewirken zu allen Jahreszeiten ein mildes Klima, das erheblich besser ist, als die weit nach Norden verschobene geographische Lage erwarten läßt. Die Küste und ihre Häfen sind eisfrei, Oslos Durchschnittstemperatur im Juli ist ähnlich der von Zürich oder Bonn. Im mehr kontinental geprägten Landesinneren sind die Sommer wärmer als im Küstenbereich, die Winter aber auch deutlich kälter, oft mit mehreren Monaten Schnee und Temperaturen, die -30C erreichen können.


Das Wetter in Kongsberg im Süden Norwegens:


Klettergebiete im Süden Norwegens (Informationen aus der Zeitschrift "Berge" (Nr. 46 von 1991)):
Setesdal
Jotunheimen/Hurrungane
Rogaland
Romsdalen
Innerdalen

Fakten:
Fläche: 323.895 km²
Einwohner: 4,24 Mio.
Hauptstadt: Oslo, Stadt 458.000 Einwohner, Ballungsgebiet 748.000 Einwohner.
Bedeutende andere Städte: Bergen, 212.000, Trondheim, 137.000, Stavanger, 98.000, Kristiansand, 65.000.
Staatsform: Konstitutionelle Monarchie auf parlamentarischer Grundlage
Währung: 1 Norweg. Krone = 100 Öre.
Bevölkerung: Norweger, 40.000 Samen (Lappen)
Sprache: Norwegisch, mit zwei Schriftsprachen: Bokmal und Nynorsk
Religion: Christen (87,9 % evangelisch-lutherisch)
Klima: Im Küstenbereich gemäßigt-ozeanisch, in den Skanden kühles Gebirgsklima, Durchschnittliche Temperatur Oslo im Januar -4,7C, im Juli 17,3 C.
Bodenschätze: Erdöl, Erdgas, Eisenerz, Titan, Zink, Blei, Molybdän, Kupfer.
Hauptexportgüter: Erdöl, Erdgas, Schiffe, Erze, Metalle, Maschinen, Fisch, Holz.
Pro-Kopf-Einkommen: 22.025 Dollar/Jahr
Bevölkerungswachstum: 0,3 %/Jahr
Lebenserwartung: Männer 73, Frauen 80 Jahre

(Daten von 1991)

Zu weiteren sehr ausführlichen Infos über Hüttenwanderungen, Tips und hilfreiche Landesinfos sowie umfangreiche Informationen rund um Norwegen verweise ich der Einfachheit halber auf meine Fernweh-Seite meiner privaten Homepage
(der Link öffnet sich in einem neuen Fenster):

www.gomeck.de/norwegen.html


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