Ein genialer Urlaub im Mai 2000


Ein absolut geniales Klettergebiet, um die 3000 Kletterrouten zwischen dem 2 und dem 9 Schwierigkeitsgrad, also für jeden etwas.

Die folgenden Informationen stammen aus dem weiter unten genannten Kletterführer:


Zugangsplan von Westen (Aix) kommend:
An der D17, der Cézanne Landstraße, die Aix mit Puyloubier verbindet, liegen alle Parkplätze, von wo aus die Wege zu den Klettergebieten führen.
Im Zentrum der Ringstraße von Aix in Richtung le Tholonet fahren, 6 km nach dem Dorf befindet sich der Parkplatz Cézanne. Von der Autbahn aus Marseille, dem Rhonetal oder Sisteron kommend, Aix vermeiden und in Richtung Toulon/Nice fahren, Ausfahrt Aix-Est, Toulon, Nice, auf der R.N.7 Am Ort Pont de Bayeux links Richtung Beaurecueil abbiegenund danach nach St.Antonin weiterfahren. Einige Kilometer vor dem ersten Parkplatz kommt man wieder auf die Cézanne-Landstraße.

Zugangsplan von Osten (Nice) kommend:
Autobahn A8 Ausfahrt Pourrieres, Trets, anschließend R.N.7 richtung Aix-en-Provence. Nach 7 km Richtung Puyloubier abbiegen. Durch Dorf hindurch und die D17 nach Saint-Antonin nehmen. Man fährt am Fuß des Massivs Sainte-Victoire entlang und an allen Parkplätzen vorbei.

Klima:
Besonders im Sommer herrscht ein typisches ausgesprochen trockenes Mittelmeerklima. Durch die starke Sonneneinstrahlung kann das ganze Jahr hindurch geklettert werden.
Drei Winde blasen:
-Der Mistral, aus NW kommend, ist trocken, frisch und befreit den Himmel von den Wolken, tlw. sehr heftig, kann auch Steinschlag verursachen.
-Der Ostwind kann genauso heftig sein, kündigt aber schlechtes Wetter an.
-Die vom Meer kommende SW-Brise ist oft warm und feucht.

Das Wetter in Marseille (ist zwar weiter südlich und am Meer, aber die nächste Stadt, zu der eine Online-Wetterabfrage möglich war):



Tierwelt:
Sie ist besonders vielseitig auf der Nordseite der Sainte-Victoire. Man kann Wildschweinen, Füchsen, Siebenschläfern und Eichhörnchen begegnen. Zahlreiche Raubvögel leben am Südhang in den Felsen, wo Bussarde, Falken und Krähen ihr Gebiet bitter verfechten. Einige Rabenpaare nisten in den zurückgelegensten Felswänden (Signal, Pyramide), während Uhu und Bonelli-Adler seit dem Brand scheinbar verschwunden sind.
Im Winter picken die Rotkehlchen aus der Hand und bevölkern die sonnenbestrahlten Gegenden.

Pflanzenwelt:
Wie könnte man von der Pflanzenwelt sprechen, ohne den schrecklichen Brand vom 28.August 1989, der die gesamte Südseite des Massivs und die Cengle-Hochebene vernichtete, zu erwähnen. Es ist interessant, sich vor Augen zu halten, wie der Wald des Massivs früher aussah, bevor man sich überlegt, was darauf wurde. Das stereotype Bild weitausgebreiteter Kiefernwälder oder wilder dorniger Gebüsche, die unter Sonnenhitze und dem unerläßlichen Zirpen der Zikaden leiden, ist von der wirklich antochthonen Pflanzewelt weit entfernt.
Ursprünglich waren die gesamten Südhänge und die Nordhänge bis zu 500m Höhe mit Eichenwäldern bedeckt. jedoch wurden nach und nach Bäume gefällt, Landstriche tlw. abgebrannt, um Land urbar zu machen. Die Waldzerstörung nahm kein Ende.
Heutzutage handelt es sich meist nicht mehr um einen sich natürlich entwickelten Wald, sondern nur noch hier und da um verschiedene Neuanpflanzungen.
Diese Etappen sind unglücklicherweise durch die Kolonisation feuerempfindlicher Gewächse markiert (Dorniges Gebüsch und Alepkiefern)
Das Problem der Waldbrände wird dadurchnur noch vestärkt. Die Bemühungen der verschiedenen Verbände und der öffentlichen Dienste für Wiederbepflanzung und Einführung von neuen Gewächsen sollen nicht in Mißkredit kommen, aber man sollte wissen, daß nur ein sich natürlich entwickelter Wald einer Degradierung widerstehen kann.
Das Problem dabei ist, daß er zur Wiederherstellung ein Jahrhundert braucht; ein Jahrhundert ohne Brände, ohne Menschen.

Klettergeschichte:
Einige Daten und Namen, um besser zu verstehen, wie die Sainte-Victoire sich mit der Zeit zu einem Kletterparadies entwickelte. Die ersten Pfade, die auf der Südseite zu finden ware, gehen bis ins späte Zeitalter zurück: die schwarzen Trassen zum Kreuz und zum Garagai.
Unseren heutigen Vorstellungen entsprechend, beginnt die Kletergeschichte in den 40er Jahren, in einem rein alpinistischen Bergsteigersinn. Das Erobern der Gipfel herrschte vor. Die dazu gehörenden Vorläufer sind: L. Pahl und M. Latil, die fast alle bekannten Kletterwände erforschten.
Im folgenden Jahrzehnt ging die Erforschungsphase ihrem Ende zu und die vorherrschenden Schwächen wurden überwunden: Kantenklettern, Rißklettern.
Diese Epoche wurde von Gentil, Rasquin, Mollard uva. gekennzeichnet.
Daraufhin folgte der berühmte Boom der 60er Jahre; die goldenen Jahre des künstlichen Kletterns. Die letzten großen Probleme sind überwunden. Zuerst von einer ausgezeichneten Seilschaft, die vom zukünftigen Pater Jacques Flamand geführt wurde. Unverfroren nahm er die steilsten Wände in Angriff (Signal, Baou des Vespres).
Die zweite Hälfte der Sixties stand unter dem Zeichen des außerordentlich aktiven Teams Bernard Larmy und Michael Soulier. Sie wichen vor keiner Schwierigkeit zurück und markierten mit ihrem Siegel zahlreiche, hervorragende Routen (5éme Heure, Directe de l'Eperon usw.).
Sie waren auch diejenigen, die die berühmten "Deux Aiguilles" tauften und dort die ersten Kletterrouten eröffneten.
Anfang der 70er Jahre kamen die nach Abenteuer begierigen jungen Wölfe an, um versteckte und waghalsige Kletterrouten zu erobern: das Trio Martine-Christian Guyomar, Christian Hautcoeur, und Bernard Gorgeon mit seinen Komplizen.
Sie lassen zunächst die bekannten Kletterwände in Stich, und nahmen sich die scheinbar sekundären Felswände vor. Aber schon nach kurzer Zeit füllen sie die Kletterlegenden: Deux Aiguilles, Saint-Ser.
Durch traumhafte lange Kletterstrecken, durch das systematische Ausrüsten von Oben und durch Daniel Gorgeon's beachtlichen Arbeiten, erhalten diese genannten Gebiete in den 80er Jahren ihren berühmten Ruf.

Orientierung:
Fast alle Klettergebiete der Sainte-Victoire sind südlich orientiert und den Winden ausgesetzt. Geschützte Sektoren sind im Topo vermerkt.

Stil:
Die Basis des allgemeinen Kletterstils ist die Gleichgewichtsverlagerung und die Belastung des Fusses (Reibungskletterei). Wenige Sektoren haben überhängende Wände.

Kindersektoren:
Coste-Chaude, Einige Sektoren der Deux Aiguilles

Unterbringung:
Campingplätze:
Aix-en-Provence: zahlreiche Campingplätze
Beaurecueil: Camping "Sainte-Victoire" (42 66 91 31)
Peynier: Camping "Le Devancon" (42 53 10 06)
Peynier: Camping municipal "La Garenne" (42 53 05 21)
Puyloubier: Camping municipal "Le Cézanne6quot; (42 66 36 33)
Rousset: Camping du "Coteau de la Marine&quto; (42 29 03 22)
Herbergen:
Puyloubier: L'Oustaou de Garagai (42 66 35 05)
Puyloubier: Kommundaler Gite (42 66 36 33)
Hotels, Restaurants, Verpflegung reichlich in Aix-en-Provence, Lebensmittel und Bäckerei auch in Puyloubier und Rousset.

Wasser: Brunnen in Puyloubier und Saint-Antonin.
Unfallhilfe: 18 wählen und Ort und Art des Unfalls beschreiben.

Wichtig!
Klettern und Wandern sind ind er Bouches-du-Rhone vom 1.Juli bis zum 2. Samstag im September verboten (Eröffnung der Mammutjagd).
Um der Brandgefahr vorzubeugen, ist dieses Verbot bei starkem Wind das ganze Jahr hindurch gültig.

Nummern und Adressen:
Wettervorhersage: 36 68 02 13
Office Municipal du Tourisme - Aix-en-Provence: 42 26 02 93
Comité Departemental FFME - 5, Impasse du Figuier - 13114 Puyloubier: 42 66 35 05

Einige berufliche Adressen:
Provenzalischer Bergsteigführerverein - Le Défend - 13790 Rousset: 42 53 29 41
Philippe Légier (Bergführerpraktikant), 1obis, bd. E.-Boyer - 13530 Trets: 42 61 31 52
Bruno Douillet (Hochgebirgsführer), Le Défend - 13790 Rousset: 42 53 29 41
Henri Vincens (Hochgebirgsführer), 23, bd Bouge 13013 Marseille: 91 61 25 86
Sylvie Basin (BEES Klettern), 24, rue Rondet - 13710 Fuveau: 42 68 09 95
Bernard Privat (BEES Klettern), 31C, boulevard Pasteur - 13007 Marseille: 91 52 07 74
Christophe Kern (BEES Klettern), 11, rue Dct Mages - 13001 Marseilles: 91 08 72 99



Wer alpine Wanderstrecken mit leichter 2er-Kletterei mag, dem sei der Trace Noir ans Herz gelegt! (Wir haben vielleicht geschimpft! Es handelt sich nämlich um den Zustieg zu einer 4-Seillängentour zu einem der Gipfel! Nach 3 Stunden Zustieg und halb 4 Nachmittags haben wir es dann abgebrochen...)
Campingplätze gibt es einige, allerdings sollte man sich vorher anmelden, es kann durchaus sein, daß alles voll ist.
Wild campen ist dringend abzuraten! Strenge Sitten in Frankreich.
Rieseneinkaufsmöglichkeiten (auch ein paar Klettershops) gibt es in Aix en Provence, übrigens auch mit einer schnuckeligen, wenn auch mit Touris überlaufenen Altstadt mit vielen kleinen Gässchen, die auszukundschaften sich bestimmt auch mal lohnt (wir kamen nicht dazu). Es gibt dort sogar einen Aldi!
Klettertechnisch sind viele Routen sehr gut mit Bohrhaken abgesichert, es findet sich aber der eine oder andere geschlagene Normalhaken, die wir lieber nicht benutzt hatten. In der längsten Tour, die wir gewagt haben (4 Seillängen) war die letzte Seillänge allerdings selbst abzusichern. Da die Kletterführer ziemlich miserabel sind, empfielt es sich, von allem etwas mitzunehmen. Ohne die Friends meiner Kollegin wäre ich vermutlich etwas gearscht gewesen!
Den einzigen Kletterführer, den wir auftreiben konnten, ist der:

"Escalade En Pays D'Aix"
von D. Gorgeon, P. Legier und E. Palomar, er kostet 120 FF
(ISBN 2-909 132-04-8)

Das Buch ist in französisch geschrieben, hat jedoch einen kleinen Teil (das Wichtigste) in Deutsch, Englisch, Italienisch und Spanisch übersetzt (das meiste davon hab ich oben aber schon abgeschrieben); man kann also durchaus damit arbeiten.
Neben Sainte-Victoire findet man darin auch noch die Gebiete La Consolation, Calissanne, Le Pont Mirabeau, Meyrargues, Sainte-Anne de Goiron, Siége, Valabre und Bibémus.
Zudem gibt es einige Kinderrouten mit einem sehr kurzen Hakenabstand, so alle 1-2 Meter. Also auch für Familien eine saubere Sache.
Landschaftlich ist die Gegend natürlich die absolute Wucht. Rote Erde dominiert die Hügel vor dem Massiv,während hier und da im oberen Bereich immer mehr hellgraue Felsen den Boden durchbrechen. Sieht absolut strange aus.
Die Serpentinen zum Felsgebiet kann man übrigens auch hervorragend entlangwandern, ein kleines, extremst idyllisches Bächlein begleitet die Straße ständig.

So, jetzt genug gefaselt. Jetzt kommen die Bilder (ich hab nur eine Auswahl der Besten genommen, da ich auf Dia fotografiere und nur ein paar vergrößert habe. Und einen Diascanner konnte ich mir bis jetzt noch leisten..:o) )

Hier kann man unsere längste Tour sehen, ca. 100 m hoch (4 Seillängen). Ich habe in Pink die etwaige Route eingezeichnet. Leider sind auf Papier die Kontrastumfänge nicht so gut, das Dia zeichnet in den Schwärzen noch wunderbar.
Von einem kleinen Bergchen oberhalb unseres Campingplatzes kann man das "Saint-Victoire"-Massiv sehen. Faszinierende Strukturen!
Hier ein wunderschöner Aussblick auf das Tal, fotografiert, während ich irgendwo in der Wand hing.
Einmal flog ein Düsenjet durch das Tal, und er flog so tief, daß ich DRAUFgucken konnte!
Das Leben schafft es überall, sich festzubeißen. Dieser Baum hat es zwar schwer, aber es sieht so aus, als würde er es packen.
Als wir nach einem anstrengenden Tag nach Hause gingen, haben wir diesen Typ gesehen. Sieht irgendwie abenteuerlich aus, oder? (O.K., eine Bigwall ist noch was anderes.)
Der kleine Berg, von wo aus ich das zweite Bild von oben gemacht hatte, war durchzogen von Höhlen und Löchern. Diese haben mich geradezu aufgefordert, ein paar nette Bilder zu schießen...
Einfach ein Blick auf das Massiv in seiner vollen Pracht. Man denke daran: vor dem Klettern mußten wir vorher erst mal ZU dem Felsen gelangen!
Das Massiv in der Abendsonne. Es gab einige schöne Sonnenuntergänge, aber es war immer schon nach ein paar Minuten vorbei, so daß es entweder schon zu dunkel oder die Sonne einfach nicht mehr Rot genug war, um ein gutes Foto zu schießen. Dies hier ist das Einzige, das ich kriegen konnte.
Hier sieht man Pam, mit der ich dort geklettert bin. :o)
Hier sieht man die rote Erde, zwischen der immer wieder die grauen Felsen durchbrechen. Echt krass.
Als letztes noch ein Bild von Pam als Silhouette vor dem kleinen Berg, den ich erwähnt habe. Es war ziemlich schwierig, ich wollte eigentlich, daß die Sonne noch sternförmig am Rand der Silhouette hervorbricht. Aber so ist es auch O.K.
Pam, wie sie sich gerade daranmacht, sich aus 100 m Höhe (unsere 4-Seillängen-Tour, ihr erinnert euch...) abzuseilen.
Eines der wenigen Fotos von mir beim Klettern, geschossen von einem netten Mitkletterer, den wir am Campingplatz kennengelernt haben. Leider zu dem Zeitpunkt im Toprope (war eine 5+ oder 6-, auf jeden Fall zu schwer für mich im Vorstieg).
Nochmal wie eben. Es ist immer so eine Sache mit Fotos von sich selbst, wenn man nur zu zweit unterwegs ist, da ist man eben auf die Mithilfe von Dritten (und Vierten...)angewiesen.
Auch ich mal vor dem Massiv. Da wir keine Sonnencreme dabeihatten, mußten wir uns anderweitig vor der Strahlung schützen! :o)
Irgendwas muß gegen die Hitze getan werden; und sei es eine Flußwanderung in einem 8 Grad kalten Bach!
Allerdings wurde der Bach irgendwann hüfttief, während dornige Hecken am Ufer das Aussteigen vereitelten..., ich war irgendwann platschnass!
Und das stellenweise auch noch mit Fotoapparat!

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