Fels oder Kunstwand, das ist hier die Frage

Das Wetter in Duisburg:

Das ehemalige Stahlwerk im Landschaftspark-Nord im Duisburger Norden ist eine Attraktion nicht nur für Kletterer. Auf dem Gelände werden des öfteren Open-Air-Kinoabende oder andere Veranstaltungen und Aufführungen veranstaltet, in dem großen Silotank, der in mühevoller und kostenintensiver Arbeit mit Wasser gefüllt und mit diversen Attraktionen bestückt wurde (Auto- und Schiffswrack und noch einiges mehr), besteht die Möglichkeit, zu tauchen, und an den Wänden der ehemaligen Kohletaschen sind unzählige (wirklich, es ist irgendeine dreistellige Zahl) Kletterrouten und auch Klettersteige eingerichtet.

Der Boden der einzelnen Parzellen ist mit Kies bedeckt, es stehen einige Beton-Holz-Sitzgelegenheiten dazwischen, und auch ansonsten lebt es sich sehr angenehm in den Kohletaschen, wo man immer eine schattige bzw. sonnenbeschienene Stelle findet (je nach Jahreszeit *g*). Von Kinderrouten im Schwierigkeitsgrad 2-3 bis hin zu starken Überhängen im 8. Grad findet sich fast alles, was man sich wünschen kann.
Das einzige, was man an warmen Tagen eben erdulden muß, sind die gaffenden Touristen, die durch den Naturpark flanieren.

Das besondere am Stahlwerk ist, daß es sozusagen ein Bindeglied zwischen dem Hallenklettern und dem Klettern am echten Felsen ist. Zum Teil benutzt man zwar Kunstgriffe, in vielen Routen muß man sich jedoch die Griffe in den Unebenheiten des Betons selbst suchen, womit sich ein gewisses "Felskletterfeeling" aufkommt.

Die Routen sind (fast) alle mit "Schweineohr"-Umlenkern ausgerüstet und in der Regel nicht länger als ca. 12 m (vielleicht sind manche Dachklettereien unter der Brücke insgesamt länger, weil zur Höhe noch die Längsbewegung dazukommt).

Eine reizvolle Attraktion ist bedauerlicherweise immer noch nicht nutzbar: in dem 60 m hohen Schlot bei den Kohletaschen ist bereits eine leichte 3/4er-Route eingerichtet, 5. und 6. Grad sollen folgen. Allerdings hat der letzte Frost dem Mauerwerk nicht gut bekommen, und nun müssen erst die entstanden Schäden neu verfugt werden. Bei der allgemeinen finanziellen Lage der meisten Alpenvereine (das Klettergebiet im Stahlwerk wird betreut durch die Alpenvereins-Sektion Duisburg) ist das leider noch nicht allzu bald in Sicht.

Für den Fall, daß es doch bald geöffnet wird: man muß sich für den Schlot vorher anmelden, außerdem ist dann auch Brustgurt und Helm vorgeschrieben.

Das Klettern im Stahlwerk ist für DAV-Mitglieder Duisburg und auch Düsseldorf kostenlos, für die anderen kostet es was (ich glaube, Nicht-DAV-Mitglieder 8 DM, DAV-Mitglieder entsprechend weniger...), gesetzt dem Fall, jemand kommt und kontrolliert...

Das Stahlwerk liegt im Stadtteil Meiderich, nur unweit der Ausfahrt Duisburg-Neumühl auf der A42. Wenn man diese Ausfahrt abfährt und dann in Richtung Duisburger Innenstadt die Hauptstraße verfolgt, geht nicht weit danach die Emscherstraße rechts ab (ein Hinweisschild verweist auch auf den Naturpark Nord bzw. Emscherpark), außerdem sind die Schlote ja nicht gerade klein :-).

Und nun kommen auch noch endlich einige Bilder:

Pam an einem der Stützpfeiler der ehemaligen Kohletaschen.
Hier ahnt man im Hintergrund auch das faszinierende Ambiente und der besagte Schlot, an dem hoffentlich bald Routen geöffnet werden.
Zwischendurch hat man eben einfach keinen Bock mehr.
Außerdem wars kalt (wo sonst kletter ich mit Fleece-Pulli?).
Unter einer Förderbrücke oder so was sind die Pfeiler und auch die Dächer übersät mit Kunstharzgriffen.
Hier gibt es auch recht einfache überhängende Routen für den Einsteiger.
Hoch in den Himmel..., leider nach 8m schon wieder Schluß.
Rings um die Kohletaschen wächst reichlich Grün und gibt dem ganzen einen kleinen Hauch von Natur.
Wie man sieht, werden mancherorts die ausgehängten Kletterregeln etwas lax interpretiert!
Und wie so oft: äußerst einfallsreiche Routenbezeichnungen!
Es existiert auch eine Topo, die es bei der Sektion Duisburg oder auch Düsseldorf gibt.
Pam mal wieder an ihrer "Lieblingsroute", die Zwei Freunde.
So, keine Lust mehr. Ausbinden und ab die Post, ich spür meine Fingerkuppen nicht mehr.


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